Die Fingerhut - Stempel (Teil 2)

3. Zur Typeneinteilung der Gruppe 104 (Fingerhut-Stempel)

Auch bei genauer Betrachtung erscheint die im Abstemplungswerk von Andres und Emmenegger vorgenommene Typeneinteilung der Gruppe 104 (siehe unten) als nicht unbedingt schlüssig. Dort werden 9 Typen aufgeführt: die Typen l - 5 mit schräg gestelltem, die Typen 6- 9 mit aufrecht gestelltem Monat (in Elzevir) bei jeweils in Form und Größe unterschiedlicher Jahreszahl. Allerdings wurden einige Typen vergessen, andere wurden unter einem Typen zusammengefasst, obwohl sie sich deutlich von einander unterscheiden

Im Zusammenhang mit eben dieser Typeneinteilung erhebt sich auch die Frage, ob man die Typen 5 und 9 im AW (d.h. die Stempel ohne Jahreszahl) überhaupt als gesonderte Stempel anerkennen sollte.

Sicherlich gibt es Fälle, wo der Postbeamte, aus welchen Gründen auch immer, versäumt hat, die Jahreszahl in den Stempel einsetzen. Dies konnte am Jahresbeginn geschehen, bis das Versehen zu irgendeinem Zeitpunkt entdeckt und korrigiert wurde. Dies bedeutet aber auch, dass ein Stempel ohne Jahreszahl mit der Monatsangabe November oder Dezember logischerweise ein ganzes Jahr so verwendet gewesen sein muss, denn warum sollte ein Postbeamter die einmal zu Jahresbeginn eingesetzte Jahreszahl wieder entfernen? Angesichts der allseits bekannten Korrektheit der Postbeamten jener Zeit sind meines Erachtens aus diesem Grunde alle Stempel der Typen 5 bzw. 9, mit Monatsangaben später als Februar mit einem großen Fragezeichen zu versehen.

Oft erscheint wohl die Jahreszahl im Stempelbild nur deshalb nicht, weil der Druck auf dem Stempel beim Entwerten eher im oberen Bereich mit der Ortsangabe lag und sich deshalb der untere Bereich nicht deutlich genug abzeichnen konnte oder aber weil sich die Jahresangabe am meisten abnützte, denn sie wurde ja wohl normalerweise ein ganzes Jahr lang nicht ausgewechselt. Wie an dem nebenstehenden Stempel von TURBENTHAL sichtbar, zeigen sich bei einem sonst gut ausgeprägten Stempelbild dann oft nur noch schwache Konturen der Jahresangabe.

 

Anders als manche Auktionatoren, die in ihren Losbeschreibungen die fehlende Jahreszahl als wertsteigernd herausstellen, würde ich diese Besonderheit eher als wertmindernd ansehen, zumal die fehlende Jahreszahl auch die genaue Typenbestimmung unmöglich macht.

 

 

In jedem Fall verdienen es die Stempel ohne Jahresangabe meines Erachtens nicht, als eigenständige Typen erfasst zu werden, sonst müsste man logischerweise auch die sehr viel selteneren Fälle, in denen die Tages- oder Monatsangabe im Stempelbild fehlt, entsprechend behandeln.
Angesichts der Tatsache, dass bei der Typeneinteilung ohnehin gewisse Korrekturen vorgenommen werden müssten, drängt sich die Frage auf, ob man nicht die Typenabfolge, die im AW wohl eher willkürlich (möglicherweise auch nach der Häufigkeit) vorgenommen wurde, etwas logischer gestalten sollte. Dabei bietet sich in erster Linie eine Abfolge an, in der neben der Typenverwandtschaft auch die chronologische Verwendung der einzelnen Typen berücksichtigt werden sollte.

 

Der früheste Stempel in Fingerhut-Größe in meiner Kartei kommt aus NEFTENBACH, datiert vom 7 NOV 51 und gehört zur Gruppe TOS im AW.

 

 

 

Ab 1852 findet sich dieser frühe, im A W als Typ 8 (aufrecht gestellte Monatsangabe in Elzevir mit hohen Jahresziffern) registrierte Typ auch auf Stempeln der Gruppe 104, zunächst als Neben-Stempel, ab 1853 auch auf Rayon und ab 1855 auf Strubel.

Dieser Typ sollte vernünftigerweise als neuer Typ l bezeichnet werden.

Nach 1855 (bzw. 1856) wurden zwei verschiedene Typen gleichzeitig verwendet. Einige Orte behielten die aufrechte Monatsangabe in Elzevir bei, allerdings dann mit kleinerer schräg gestellter Jahreszahl (im AW Typ 6), andere (übrigens die meisten) entschieden sich für eine Monatsangabe mit schräg gestellter Schrift mit ebenfalls schräg gestellter Jahresangabe (im A W Typ 1).

Diese beiden Typen wurden von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen bis spätestens Ende 1860 verwendet.

Da es sich bei dem erstgenannten Typ um die Weiterfuhrung des Urtyps (neuer Typ 1) handelt, müßte man ihn folgerichtig als neuen Typ 2 bezeichnen.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit sollte man nun alle weiteren Varianten mit Monatsangabe in Elzevir als neue Typen 3 bis 5 führen, auch wenn die chronologische Abfolge damit durchbrochen wird.

Die parallel zu dem neuen Typ 2 eingeführte Form mit schräg gestellter Monatsangabe (alter Typ 1) wäre dann Typ 6 der neuen Einteilung.

Ab 1860 kamen drei neue Typen zum Einsatz:
In den meisten Orten, in denen die im AW als Typ 6 geführte Form im Gebrauch war, wurde sie von Typ 7, meinem neuen Typ 3 (aufrechte Monatsangabe in Elzevir mit großen, aufrechten Jahresziffern) abgelöst.

Zum gleichen Zeitpunkt hat man in den meisten Orten in denen Typ l in Gebrauch war, diesen durch Typ 2, meinem neuen Typ 7 (schräg gestellte Monatsangabe mit großen aufrechten Jahresziffern), ersetzt.

Eine kleinere Gruppe von Orten wählte eine Monatsangabe in schräger Schrift mit schmalen, hohen Jahresziffern (neuer Typ 8).

Dieser Typ, im A W unter Typ 4 miterfasst, wurde in MESOCCO in 1859, in den anderen Orten ebenfalls ab 1860 eingeführt und bis 1872 verwendet.

Interessanterweise gibt es eine Reihe von Orten, wo diese Stempeltype nur im Jahr 1872 in Gebrauch war (z.B. BERINGEN, DACHSEN, ENTLEBUCH, FISCHINGEN, OBFELDEN, OSSINGEN, RUSSIKON). Manche Orte haben Typ 8 offenbar lediglich für eine begrenzte Zeit verwendet (ERLEN nur im Juli und August 1863, COUVET nur in 1868).

Als neuer Typ 4 würde dann der im AW vergessene Typ (aufrechte Monatsangabe in Elzevir mit kleinen aufrechten Jahresziffern wie bei altem Typ 3) aufzuführen sein. Dieser Typ ist bisher in 12 Orten (u.a. ALTNAU und FEUERTHALEN) jedoch nur aufsitzender Helvetia in der Gr. 104 I bis 1869, in der Gr. 104 III („mit Schnauz") bis 1874 belegt.

Der neue Typ 5 würde eine Variante bezeichnen, die den neuen Typ 4 nach 1874 ablöste und einen anderen Schrifttyp aufweist (siehe auch unten mein neuer Typ 10).

Dieser Typ ist mir allerdings erst zweimal bei der Gr. 104 III (mit „Schnauz") bei ST.MARTIN aus 1878 und UNDERVELIER aus 1875 aufgefallen.

Anfang 1865 wurden, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die großen Jahreszahlen der alten Typen 2 und 7 durch niedrigere (alter Typ 3) ersetzt.

Dieser, übrigens in Bezug auf die Anzahl der Orte häufigste Typ, wäre nach der neuen Einteilung der neue Typ 9. Er war bis Ende 1874 in Gebrauch.

Danach ändert sich bei gleicher Größe der Schrifttyp der Jahresangabe. Die Ziffern erscheinen enger zusammengerückt und auch in der Form verschieden.

Dieser Typ wurde von 1875 bis 1878 verwendet und müsste als neuer Typ 10 geführt werden.

Um die Typentafel nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, empfiehlt es sich, alle Stempel ab 1879, die sich von den zuvor genutzten wiederum durch ihre Größe unterscheiden, in dem neuen Typ 11 zusammenzufassen.

Zwar gibt es auch dabei noch kleinere Unterschiede (so sind die Ziffern in den Jahresangaben in einigen Orten ab 1880 etwas schmaler als die in 1879), doch bleibt zumindest die Größe gleich.

Bei Andres und Emmenegger sind übrigens die in meiner neuen Typentafel unter Typ 8 und 11 gelisteten Typen als Typ 4 zusammengefasst. Trotz gewisser Ähnlichkeiten (schlanke, aufrechte Ziffern) sollte man meines Erachtens diese beiden Varianten getrennt klassifizieren, da sie zu verschiedenen Zeiten verwendet wurden (Typ 8 von 1860 bis 1872, Typ 11 erst ab 1879).

Die Anzahl der Orte, in denen nach 1880 noch Fingerhut-Stempel verwendet wurden, ist übrigens vergleichsweise gering. Sie kommen auf Sitzende Helvetia bis 1882 (NÄFELS), danach gelegentlich auf Wertziffer (auf weißem und auf Faserpapier) und ganz selten auf Stehender Helvetia vor. Auch ist die vereinzelte Verwendung auf Porto- und Telegraphenmarken belegt.

 

Das späteste mir bekannte Datum eines Fingerhut-Stempels stammt aus ROMONT S/BIENNE und zwar der 30 DEC 89 auf Wertziffer.

 

 

 

M. Francis Triponez erwähnt in seinem sehr interessanten Artikel über die FingerhutStempel im Kanton Neuchätel, erschienen in der SBZ 8/1990, sogar einen Stempel mit Datum 21JUIL 90 aus JONCHERE.

 

Die bisher spätesten Verwendungen eines FH-Stempels, allerdings ohne Datums- i ptXQT'A l p block, liegen mir aus den Jahren 1901 " bzw. 1907 vor, wo der der Stempel BELLEVUE als Neben-O Verwendung fand. Registriert sind 2 Postkarten frankiert mit WZ 5c. Die Daten 22 I 01 bzw. 12 I 07 sind aus den beigesetzten Stempeln ersichtlich.

 

 

 

Für die wenigen Stempelformen, die sich von den von mir aufgelisteten 11 Grundtypen unterscheiden, wie z.B. ROLLE (Gr.106) sollte man, wie oben bereits erwähnt, der Einfachheit halber eine Rubrik Sonderformen (SoFo) einfuhren.

Zur Verdeutlichung noch einmal ein Schema nach der chronologischen Verwendung der verschiedenen Fingerhut-Stempel-Typen (nach neuer Einteilung), wobei vereinzelte Abweichungen hinsichtlich der Verwendungszeit hier unberücksichtigt bleiben.

Gr. 104 I

Für die Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz) sind die (neuen) Typen 1-4, sowie 9 + 10;

Für die Gr. 104 III (mit „Schnauz") die (neuen) Typen l - 5;

Für die Gr. 104 V die (neuen) Typen 7 + 9

Für die Gr. 101 die (neuen) Typen 1- 3 nachgewiesen, wobei die Stempel dieser Gruppe in Fingerhut-Größe, die sich nur durch die Schriftart (Elzevir) von der Gr. 104 l unterscheiden, hier nicht mehr berücksichtigt sind.

Ebenso zur Verdeutlichung hier noch eine parallele Aufstellung der neuen und der alten Typenfolge:

(Fortsetzung folgt)