Die Fingerhut - Stempel (Teil 3)
4. Zu den Typenwechseln bei den Fingerhutstempeln der Gr. 104
In vielen Orten kam es im Laufe der Jahre zwischen 1852 und 1890 zu ein oder mehreren Stempeltypwechseln, wobei sich die im Weiteren erwähnten Typenzahlen alle auf die neuen Typen beziehen.
Der Zeitpunkt, an dem in den einzelnen Orten ein neuer Stempeltyp eingeführt wurde, scheint bei einigen Typen in der Regel der jeweilige Jahreswechsel gewesen zu sein. So kommt der sehr häufige Typ 7 nicht vor dem 1.1.60, der noch häufigere Typ 9 nicht vor dem 1.1.65 vor. (Es gibt allerdings bei Typ 9 einige unklare Fälle, in denen die Jahreszahl 65 beinahe wie eine 63 aussieht).
Auch die Typen 10 (ab 1875) und 11 (ab 1879) wurden wohl jeweils zu Jahresbeginn in Gebrauch genommen.
Die Umstellung von einem Typ zu einem anderen war dennoch offensichtlich keine landesweite, konzertierte Aktion, denn sie erfolgte in einer ganzen Reihe von Orten zu durchaus unterschiedlichen Terminen, in einigen Fällen wie die unten aufgeführten Beispiele zeigen, sogar mitten im Jahr.
In einigen Orten mit Ortsnamen zuerst in Elzevir (im AW Gr. 101) wurden später Stempel mit Ortsname in Normalschrift eingeführt und zwar zu völlig verschiedenen Zeitpunkten, z.B. in RHEINFELDEN in 1860 oder in FAHRWANGEN erst in 1865.

In anderen Orten kam es zu einem Wechsel innerhalb der Gr. 104 und zwar von Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz unten) zu Gr. 104 I, wie z.B.

oder von Gr. 104 III (mit „Schnauz") zu Gr. 104 I, z.B. in Sins

bzw. von Gr. 105 (Ortsname mit Zierlinie eingefasst) zu Gr. 104 I

Interessant ist auch der Wechsel, der sich in KREUZSTRASSE vollzog. Dort wurde Typ l (1855) in Elzevir in blau vom Typ 6 (1859) in schwarz abgelöst, d.h. es kam nicht nur zu einem Wechsel des Schrifttyps sondern auch der Farbe. (Im AW ist zwar auch ein Stempel KREUZSTRASSE in Elzevir in schwarz vermerkt, allerdings hat mir bisher noch kein Beleg vorgelegen.)

In einigen Fällen scheint der neue Typ sogar mitten im Jahr eingeführt worden zu sein. Dies gilt z.B. für einen Wechsel von Typ 2 zu Typ 6 in STEIN A/RH. Für Typ 2 ist der 21 AVRIL 58, für Typ 6 der 4 OCT 58 belegt.

In DIETIKON fand der Wechsel von Typ 3 zu Typ 7 offenbar erst zwischen dem 11 MAI und dem 19 NOV 1861 statt.

In EGLISAU, HAUSEN und wahrscheinlich auch in KILCHBERG wurde Typ 3 wohl nur im Januar 1860 verwendet, danach kam es zur Umstellung auf Typ 7.

In TÄGERWEILEN wurde der Wechsel von Typ 3 zu Typ 7 erst zwischen dem 12 SEPT 63 und dem 31 OCT 63 vollzogen.

Belegt ist der Wechsel innerhalb des Jahres 1860 von Typ 6 zu Typ 7 z.B. in AFFOLTERN A/A.

In AU wurde irgendwann nach dem 11 MAI 61 und vor dem 8 JULI 61 der Typ 8 durch Typ 7 ersetzt.

Belege für eine Umstellung des Stempeltyps mitten im Jahr sind auch beim Wechsel aus der Gr. 104 II, 104 III und 105 zur Gr. 104 I zu finden.
In der Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz) geschah dies offenbar

in der Gr. 104 III (mit „Schnauz")

in der Gr. 105 (Ortsname mit Zierlinie)

In LAUFENBURG wurde ein Stempeltyp sogar nur vorübergehend von einem anderen ersetzt. Dort war Typ 7 von Anfang 1860 bis mindestens Mai 1862 in Gebrauch, zwischen August und Dezember 1862 finden sich nur Belege mit Typ 8, in 1863 jedoch scheint man wieder auf Typ 7 zurückgegriffen haben.

Interessantervveise wurden in einigen wenigen Orten gleichzeitig verschiedene Stempeltypen verwendet, in der Gr. 104 I z.B.
in AMRISWEIL, FAHY, GRÜNINGEN und THALWEIL Typ 6 und Typ 7 in 1860

in ERLEN Typ 6 und Typ 7 in 1860, sowie Typ 7 und Typ 8 in 1861 und 1862;

in BADEN Typ 7 und Typ 8 in 1861 und 1862;

oder in ST.GALLEN Typ 7 und Typ 8 in 1861;

Bei einigen Stempeln zeigen sich gleichzeitig mit einem Typenvvechsel auch orthographische Änderungen:

Diese Beispiele zeigen, dass die „Fingerhüetli" dem Sammler immer wieder Überraschungen bereiten können, zumal man natürlich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob in den Orten, in denen es zu einem Wechsel des Stempeltyps kam, wirklich ein Typ von einem anderen abgelöst wurde oder ob nicht vielleicht für einige Zeit zwei Typen in Gebrauch waren.
In jedem Fall macht gerade das Fehlen fester Gesetzmäßigkeiten wohl den besonderen Reiz dieses Sammelgebietes aus und lädt zu weiteren Nachforschungen ein.
Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang noch, dass der neue Typ 9 (alter Typ 3) im AW als vielfach auch auf Strubel vorkommend aufgelistet und bewertet wird. Tatsächlich scheint aber dieser Stempeltyp erst 1865 eingeführt worden zu sein, d.h. nach Ablauf der Gültigkeit für Strubel. Entsprechend sind mir, bisher von zwei Ausnahmen abgesehen, auch nur Sitzende Helvetia mit diesem Typ vor Augen gekommen. Bei den beiden Ausnahmen handelt es sich um eine Zst.- Nr. 21 G mit O DIESBACH vom 27 MAI 67 und eine Nr. 23 G mit O MURI b/BERN, vom 10 SEPT 73, abgebildet in Postgeschichte Nr.58, 6/94. Beide Stempel wurden eindeutig nach Gültigkeitsablauf der Strubel-Marken verwendet und widersprechen damit nicht meiner These, dass der neue Typ 9 (alter Typ 3) auf Strubel eigentlich nicht vorkommen kann.

(Fortsetzung folgt)